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Klassiker in neuem Gewand
Die Theatergastspiele Kempf begeisterten mit Schillers Sturm-und-Drang-Drama "Die Räuber"
LIPPSTADT. Frenetischer Applaus und Bravo-Rufe zeugten von der Begeisterung, die die intensive Umsetzung des Klassikers durch das Ensemble der Theatergastspiele Kempf (Regie: Christoph Brück) in der Hansestadt hervorrief.
In dem genial durchdachten, perfekt einfach gehaltenen Bühnenbild von Claudia Weinhart bilden die Protagonisten die Brücke zwischen Klassik und Moderne. Auf einer vorwärts zulaufenden, den kommenden Niedergang symbolisierenden schiefen Holzebene mit eingelassener Falltür wird gestürmt und gedrängt, dass es dem Publikum mehr als einmal den Atem verschlägt. Textstraffung und moderne Kostüme nehmen dem Jugendwerk des zwanzigjährigen Schiller nichts von seiner eindringlichen Tiefe, sondern verstärken die Dynamik und vermitteln erschreckende Aktualität.
Zwei ungleiche Brüder, Karl (Julian Weigend) und Franz von Moor (Julius Bornmann) buhlen um die Gunst des gräflichen Vaters. Franz, der jüngere ungeliebte Sohn, manipuliert Vater und Bruder, bis sich beide entzweien. Karl verzweifelt und wird Anführer einer Räuberbande. Ein deutscher Robin Hood: Er nimmt den Reichen und gibt den Bedürftigen. Das Drama um den Leidensweg der beiden Brüder, die durch ihre Radikalität den eigenen Untergang provozieren, lebt von der beeindruckenden Sprechkunst der Darsteller und eindringlicher Körpersprache. Allen voran ein brillanter Julian Weigand und ein wunderbarer Julius Bornmann.
Perfekt versteht es Bornmann, seinem Franz facettenreiches Leben einzuhauchen. Gekonnt versteckt er sich hinter der Maske des vernachlässigten Sohnes, spinnt mit bewegend unbewegtem Gesicht Mordpläne und lässt nur ab und zu, dann aber umso intensiver, das Monster in ihm aufblitzen. Als Gegenpart Karl wirkt Julian Weigend kraftvoll mitreißend aber auch warmherzig verzweifelt. So laufen bei der letzten Begegnung mit seinem sterbenden Vater (hervorragend: Hans H. Steinberg) dem Publikum kalte Schauer über den Rücken.
Tief unter die Haut geht diese Inszenierung. Und als der Räuber Razman (Aaron-Frederik Defant) zum Schluss seinen Anführer von hinten erschießt, herrscht minutenlang Totenstille im Saal - bis der Applaus losbricht.
te - Der Patriot, 23.2.2010
Eine packende Inszenierung von Schillers Jugenddrama beweist erschütternd die Zeitlosigkeit der "Räuber"
Immenstadt. ... Die Uraufführung des Werkes 1782 machte Furore und auch die Neuproduktion, welche die Theatergastspiele Kempf jetzt im Immenstädter Hofgarten gezeigt haben, packt die Besucher von der ersten bis zur letzten Minute. Hier findet keine verstaubte Klassiker-Pflege statt, sondern eine fesselnde Geschichte wird aus einem üppigen dramatischen Meisterwerk destilliert...
... Geradezu schockierend rational entfaltet Julius Bornmann die abgründigen Gedanken von Franz Moor. Er will sich Haus und Grafentitel der Familie aneignen und schafft dafür ohne jeglichen Skrupel Vater und erstgeborenen Bruder aus dem Weg. Letzterer, Karl, differenziert von Julian Weigend verkörpert, fällt, wie sein Vater, auf die schlau eingefädelten Intrigen des missratenen Sprösslings herein und gerät in eine Spirale der Gewalt - als Anführer einer Bande, die Angst und Schrecken verbreitet...
...Manche Mimen schlüpfen dabei sogar in mehrere Rollen, wie beispielsweise Wolfgang Grindemann, der aus Pater oder Lakai bemerkenswert facettenreiche Figuren formt.
Er gibt auch den Professor, der zu Beginn dieser Inszenierung Worte aus einer akademischen Antrittsrede Schillers in Jena zitiert und damit den Widerstand einiger Studenten auslöst, die sich später zu den Räubern wandeln werden. Eine kleine Freiheit in einem sonst ganz eng am Originalstück konzipierten Theaterabend, der dem Oberallgäu Glanzstunden der Bühnenkunst bescherte, wie man sie sonst nur an renommierten Häusern erlebt.
Von Klaus Schmidt - Allgäuer Zeitung, 6.2.2010
Schauspiel vom Feinsten
Kraftvolle Inszenierung der "Räuber" wird lange in Erinnerung bleiben
Espelkamp. Eine gut durchdachte und kraftvoll gespielte Aufführung des Schauspiels "Die Räuber" von Friedrich Schiller gaben die Theatergastspiele Kempf am Samstag Abend im Neuen Theater. Ausgeprägte Spielfreude und eine konsequente Dramaturgie machten die Aufführung zu einem jener Theaterabende, an die man noch lange zurückdenkt und über die man sich gerne weitere Gedanken macht ...
... gelang in der Inszenierung Christoph Brücks derartig spannend, dass im Publikum atemlose Stille herrschte - eine zunächst spannende und dann wirklich ergreifende Begegnung.
Warum Julian Weigend ein Glücksgriff ist
Die Besetzung des Karl von Moor mit Julian Weigend ist dabei ein Glückstreffer. Er spielt kraftvoll, wirkt mitreißend, vermag zu begeistern und mimt Tragik eher als innere Betroffenheit denn als beredte Emotionalität und wirkt dadurch umso glaubhafter. Hier der Kämpfer, dort der warmherzige Liebende mit der tiefen, gefühlvollen Stimme - ganz der Räuber im Böhmerwald und ganz der "Romeo" in Amalias Armen.
Das ist Schau-Spiel par excellence.
Von Ralf Kapries - Neue Westfälische, 1.2.2010
Schillers "Räuber" brillant dargeboten
Riesiges Interesse an der Aufführung
Friedrich Schillers Jahrhundertstück "Die Räuber" begeisterte im Bürgerhaus Neuer Markt. Dabei erwies sich die auf den Punkt gebrachte, starke Straffung des Textes und die brillante schauspielerische Leistung der prominent besetzten Hauptrollen als Schlüssel zum Erfolg.
Der große Besucherandrang des beifallsfreudigen Publikums spricht für die zeitlose Aktualität des Klassikers. "Die Räuber" sitzen (Stichwort: "sit-in") im Publikum, stören eine der Obrigkeit huldigende Vorlesung eines Hochschulprofessors, stürmen das Katheder, wenden sich an das Publikum (Stichwort: teach-in) und verdrängen den Redner.
Auf der schiefen, aus Holzelementen zusammengesetzten Ebene entbrennt mit heißem Blut die hinlänglich bekannte Geschichte. Der zart besaitete und sensible Revoluzzer Karl Moor wird von Julian Weigend verkörpert. Der als Schimanskis Assistent bundesweit bekannt gewordene Österreicher hat die breit gefächerte Gefühlsklaviatur der Rolle im Griff und versteht es, Schillers Sprache eindrücklich zum Klingen zu bringen.
Seinem Antipoden Franz Moor gewinnt Julius Bornmann neue Facetten ab. Bornmann reizt die Folie aus und enthüllt seine mörderischen Gedanken und Pläne, ohne dabei sein Gesicht zu einer typischen, von Hass und Neid erfüllten Bösewicht-Miene zu verziehen. Darüber hinaus versteht er es in den Szenen mit Amalia (Kerstin Dietrich) großartig, das hinter der Maskierung hervorlugende Ungeheuer allmählich sichtbar werden zu lassen.
Wolfgang Grindemann war in Bühl zuletzt in "Die Ehe der Maria Braun" und in Schillers "Parasit" zu bewundern. Grindemann ist ein Glücksfall für jede Produktion, allein was er aus der Rolle des Hermann herausholte, ist einfach nur brillant zu nennen. Daneben glänzte er als Professor und Pater.
Dem Publikum hat die Inszenierung durchweg gefallen. Die Darsteller konnten sich über einen lang anhaltenden kräftigen Beifall freuen.
Von Wolfgang Winter - Acher- und Bühler Bote/ Badisches Tagblatt, 27.1.2010
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Zwischen Hass und reifer Weisheit
Theater: Bühne Kempf zeigt packende Nelson Mandela Story "Endlich frei" in der Aschaffenburger Stadthalle
(Original als PDF)
Aschaffenburg "Es ging doch nicht um die Farbe der Hautpigmente - es ging um Gewalt, um an der Regierung zu bleiben!" Der inhaftierte weiße Massenmörder Eugene de Kock schleudert es dem schwarzen Bischof Desmond Tutu entgegen.
"Rassentheorie, das war doch nur Folklore für begriffsstutzige Buren-Schädel!" Ein packendes Stück mit grell aufflammenden Dialogen ist dem Theater Kempf aus Grünwald mit der Nelson Mandela Story "Endlich frei!" gelungen. Am Sonntagabend wurde sie vor rund 600 Zuschauern in der Stadthalle aufgeführt.
In scharf gezeichneten Bildern vor schlichter, raffiniert beweglicher und aussagekräftig stilisierter Kulisse (Andrey von Schlippe) beleuchtet das im Januar in Iserlohn uraufgeführte Schauspiel von Gerold Theobalt mit der Musik von Wolfgang Schmidtke in zwei Stunden kaleidoskopartig die 40 Jahre, in denen der Freiheitskämpfer und spätere Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela das brutale Apartheits-Regime in Südafrika mit zu Fall bringt und erster schwarzer Präsident seines Landes wird. Regie führte Barry L. Goldmann.
Es ist ein lautes, schnelles Stück voller Spannung, in dem die nur sieben Schauspieler in immer neue Rollen schlüpfen, etwa de-Kock-Darsteller Jörg Reimers, der auch Präsident de Klerk, Polizist und Richter ist. Schüsse gellen, Sirenen heulen. Dröhnende Radiodurchsagen, Lärm von Soldatenstiefeln und Massenpanik, Blutvergießen auf den Straßen und immer wieder die ins Mark gehenden Trommeln, die der begnadete brasilianische Perkussionist Bani Silva Prado schlägt und dazu die Stimmen eines ganzen Buschdorfs lebendig werden lässt.
Sein Versteck aus langen weißen und roten Ästen steht für die Wurzeln des Titelhelden. Von dort aus spricht der Xhosa-Häuptling seinem Volk Trost zu. Ronald Mkwananzi verkörpert den Stammesführer, doch seine wirklich großen Momente hat er als Bischof Tutu: mitreißend lebendig, menschlich und gewitzt. "Politik macht man mit dem Hirn, nicht mit dem A...!", rät er Mandela wiederholt.
Meister des Schicksals
Ron Williams gelingt es, sowohl das optimistische Ungestüm des ehrgeizigen Rechtsanwalts und Intellektuellen in jungen Jahren als auch die Reife und Weisheit des in 27 Gefängnisjahren nicht gebrochenen Mannes zu verkörpern. "I 'm the master of my fate, I 'm the captain of my soul" (ich bin der Meister meines Schicksals, ich bin der Befehlshaber meiner Seele), ist eines der elektrisierenden Lieder, die das Charisma des Freiheitskämpfers greifbar machen.
Die Verquickung von Politik und Privatleben in "Endlich frei!" nimmt dank Diana M. Müller Shakespearsche Dichte und Komplexität an. Müller spielt die Wandlung der Winnie Madikezela-Mandela von der mutigen jungen Kämpferin an der Seite ihres Mannes zum kalten Monster mit atemberaubender Intensität und lässt trotzdem Platz für einen Hauch von Ironie. Unter die Haut gehender Höhepunkt der Aufführung ist der Monolog Winnies im Untersuchungsgefängnis, zu dem die "Norma"-Arie der Callas erklingt.
Die geschundene Frau erzählt von den erlittenen Qualen und Demütigungen. Das Erlebte hat sie zerbrochen: Als die Gefängniswärterin (gespielt von der vielseitig in etliche andere Rollen schlüpfenden Gabriele Welker) sie erneut brutal erniedrigt, wehrt Winnie sich, überwältigt von Hass, und schlägt die Peinigerin beinahe tot.
Humorvoll
Dennoch ist es auch ein humorvolles Stück, in dem afrikanische Lebensfreunde und -klugheit die Oberhand behält, etwa im Streitgespräch des Ehepaars nach Mandelas Entlassung. "Wir werden der Welt ein perfektes Schmierentheater vorspielen", meint der Gehörnte, resigniert einsehend, dass "mit nachlassender Potenz die Fantasie" wachse.
Die Musik tut ein Weiteres zur Auflockerung nach blutvoller Dramatik. Da erklingt zu Beginn des Stücks Swing von Duke Ellington. Die Hymne "Nkosi Sikelel' iAfrika" (Gott segne Afrika) lässt zum Ende hin Hoffnung aufstrahlen.
Als schließlich der neue schwarze und der alte weiße Präsident, der Bischof und Mandelas Getreue zusammen zum Lied "Endlich frei!" ausgelassen tanzen, kennen die Zuschauer, die zuvor schon nicht mit Szenenapplaus gegeizt haben, kein Halten mehr und klatschen, pfeifen und trampeln, was das Zeug hält - absolut verdient.
Von Melanie Pollinger - Main-Echo, 27.10.2009
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Eine würdige Hommage
Wie fühlt es sich an, wenn man Sklave im eigenen Land ist? Wie fühlt es sich an, wenn man im Recht ist, aber nicht Recht bekommt? Und wie fühlt es sich an, wenn man für seinen großen Traum von Freiheit hinter Gitter muss? Wenn es einer weiß, dann er: Nelson Mandela. Die Geschichte des südafrikanischen Freiheitskämpfers ist eine Geschichte vom Nicht-Aufgeben und vom Nicht-Verzweifeln. Eine Geschichte mit Herzblut. Einen bewegenden Eindruck davon verschafften die Theatergastspiele Kempf im Waldkraiburger Haus der Kultur.
Die Studentenstadt Sophia Town ist der Inbegriff jugendlicher Lebenslust. In den Bars und Kneipen wirbeln die Tellerröcke weißer und schwarzer Mädchen zu Swing-Rhythmen durch die Luft. Bis die Regierung von Südafrika 1955 beschließt, "diesen Sumpf trocken zu legen". Die schwarzen Einwohner, unter ihnen der junge Nelson Mandela (gespielt von Ron Williams), werden in ein Township abtransportiert.
Doch Nelson, von seinen Freunden Madiba genannt, will nicht länger passiven Widerstand leisten. Eine Entscheidung, die sein Leben prägt. Madiba fordert das Ende der Apartheid, zunächst mit allen Mitteln. Doch sein Freund, der Priester Desmond Tutu (gespielt von Ronald Mkwanazi), ruft ihn zur Vernunft auf: "Moralische Überlegenheit ist mächtiger als militärische Gewalt."
Während Nelson Mandela sein Leben dem Kampf gegen die Ungerechtigkeit der weißen "Buren" verschreibt, entspinnt sich mittendrin seine eigene Liebesgeschichte. "Gefährlich und aufregend zugleich" ist es, mit Madiba liiert zu sein, doch die junge Winnie, dargestellt von einer überragenden Diana Marie Müller, hat sich in den Häuptlingssohn aus der Transkei verliebt. Und so dauert es nicht lange, bis das junge Ehepaar getrennt wird. Nelson Mandela wird als einer der Anführer des African National Congress (ANC) zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch wie lange ist schon lebenslänglich?
Hier ein metallisches Surren. Dort das eiserne Klicken der eisernen Gefängnistüren. Die durchdringenden Stimmen der Polizisten durchschneiden die Stille. Die Gefängnisinsel Robben Island steht in krassem Kontrast zum restlichen Bühnenbild. Afrikanische Steppe, bunte Beleuchtung, ein Trommler in Landestracht am rechten Bühnenrand - einfache Eisengitter, das gedämmte Licht und die bulligen Polizisten in blauen Bomberjacken auf der anderen Seite. Die Theatergastspiele Kempf zeigen eine Mischung aus Theater und Musical, versehen mit einer kleinen Prise Humor und jeder Menge Leidenschaft.
Die Zustände in Südafrika spitzen sich zu, denn der ANC kämpft stärker gegen die Regierung an. Auch Winnie muss ins Gefängnis, sie kommt in Einzelhaft. Die Isoliertheit macht Madibas Frau langsam verrückt. Zusammengekauert sitzt sie am nackten Boden ihrer Zelle, die Kleider zerrissen. Die Decke in ihrer Hand formt sie immer wieder zu einer Puppe, wiegt sie sanft in den Schlaf. Als die Wärterin kommt und ihr die Bibel aus der Hand reißt, ihr absichtlich auf den Fuß tritt, beginnt Winnie zu schreien. Es ist ihr Hass, der sich entlädt. Der Hass der Weißen gegen die Schwarzen, der sich auf die junge Frau übertragen hat. Diese Szene in der Zelle ist wohl der Höhepunkt des Schauspiels. Winnies Schrei und das hämische Lachen der Wärterin (Gabriele Welker) jagen einen Schauer über die Rücken der Zuschauer. Die schauspielerische Perfektion der beiden Künstlerinnen berührt und fesselt zugleich.
27 Jahre hat Nelson Mandelas "lebenslänglich" gedauert. Eine Zeit, die lang genug war, um seinen Traum, das Ende der Apartheid, zu erreichen. Nelson Mandela hat sein Leben diesem aufopfernden Kampf gewidmet. Die Theatergastspiele Kempf haben ihr Schauspiel mit Musik einem wunderbaren Mann gewidmet. Eine würdige Hommage.
Von Christina Kufer - Waldkraiburger Nachrichten, 23.09.2009
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Der Herr Papa im Outing-Stress
Das Unterhachinger Publikum feiert im Kubiz die Komödie "Norman, bist Du es?"
Wie der Springteufel aus der Schachtel schreckt Tom als Überraschungs-Gag aus dem Französischen Bett, in dem neben ihm eben noch Norman lag. Er und Norman sind ein Paar - doch wie soll man das Normans ahnungslosem Papa erklären, der gerade unverhofft an der Tür geklingelt hat? Bei der Premiere der Komödie "Norman, bist du es?", die am vergangenen Samstag als Co-Produktion der Grünwalder Theatergastspiele Kempf mit der Komödie Düsseldorf im Kubiz über die Bühne ging, wurde mit viel Witz und Situationskomik das Thema Homosexualität und Outing behandelt. Regisseur Helmuth Fuschl ist es gelungen, die Botschaft der amerikanischen Theaterautoren Ron Clark und Sam Bobrick ins deutsche Hier und Jetzt zu transportieren.
Kalle Pohl verkörperte den Spießer mit Eheproblem, der Schwulsein für ein Virus hält ("Wo hast du dir das nur geholt?") geradezu genial. Sein Spiel erinnerte nicht nur in der Gestik, sondern auch im Sprachduktus (mit dem urkomischen Stottern des Überrumpelten) an den unvergessenen Georg Thomalla.
Als Art-Director Norman und Familientherapeut Tom vermieden es Otto Beckmann und Julian Manuel, allzu gängige Schwulen-Klischees zu bedienen- und trieben dennoch mit jeder Menge Dynamik und Humor die heitere Handlung voran. Schließlich sollen ja sogar Alexander der Große, Michelangelo oder John Wayne schwul gewesen sein.
"Wir hatten so was noch nie in der Familie!", empört sich Normans Mama Betty (Heike Thiem-Schneider mit Doris-Köpf-Frisur), die gerade frisch vom Seitensprung in das gagreiche Tohuwabohu um das Outing und dessen Verarbeitung gerät.
Doch trotz aller erheiternden Verwirrungen löst sich zum Ende hin alles in Wohlgefallen auf. "Ich bin nun mal, wie ich bin!", steht Norman zu seiner Homosexualität. Und das nach Ehekrise wieder vereinte Elternpaar kann nun neben seinem Sohn auch noch "einen Schwiegersohn" in die Arme schließen. Stürmischen Beifall gab es für dieses Toleranz-Plädoyer, dem wunderbare Schauspieler Drive verpassten.
Von Roswitha Grosse - Süddeutsche Zeitung, 22.09.2009
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"Die Nelson Mandela Story"
Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Freunde unseres Theaters,
es ist uns wieder gelungen!
Ich freue mich über die grandiose Uraufführung des 1. Bühnenwerks über das Leben von Nelson Mandela und gebe Ihnen hier sofort einen Einblick in die Kritiken.
Möchten Sie sich eine Vorstellung ansehen? Alle Spieltermine sowie Presse- und Zuschauerresonanz finden Sie im Downloadbereich.
Ihre glückliche Margrit Kempf
2008/09: 24. Januar bis 30. März 2009
2009/10: 18. September bis 5. November 2009
2010/11: 16. September bis 2. November 2010
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"Die Nelson Mandela Story" erlebte grandiose Uraufführung
Zeitstück über die (Un-)Freiheit und die Menschlichkeit
Die sonst eher zurückhaltenden Sauerländer sprangen auf und applaudierten minutenlang für die grandiose Gesamtleistung der Akteure um Ron Williams und die tiefgründige "Nelson Mandela Story. Endlich frei".
Autor Gerold Theobalt und Regisseur Barry L. Goldman waren zu Recht glücklich über die wunderbare Uraufführung dieses Schauspiels mit Musik, das jetzt auf Tournee durch rund 80 Städte im deutschsprachigen Raum geht.
Mit einer starken Präsenz und einer einfühlsamen Verwandlungsfähigkeit hauchte Ron Williams der südafrikanischen Kultfigur Nelson Mandela in seinen bekanntesten Stationen packendes Leben ein. Erst spielte er den glühenden Freiheitskämpfer, dann den verliebten und an der Seite seiner späteren Frau Winnie unbeholfen wirkenden Liebhaber, um dann in die Rolle des Häftlings zu schlüpfen, dem man die 27 (!) Jahre Haft schon an seinen eingerostet wirkenden Bewegungen ansieht. Zum Schluss verkörpert er den charismatischen politischen Führer und Hoffnungsträger neben seiner großartigen Frau Winnie. Diese Rolle der leidenschaftlichen Kämpferin schien Diana M. Müller auf den Leib geschnitten zu sein, besonders stark ihre Gefühlsausbrüche im Gefängnis. Glaubwürdig auch der Blick hinter die Fassade ihrer brüchig gewordenen Beziehung, den sie den Zuschauern ermöglicht. Dickes Kompliment zudem an den Verwandlungskünstler Jörg Reimers, der die unterschiedlichen Charaktere von Eugene de Kock, F. W. de Klerk, eines Polizisten, eines Richters und eines Weißen nuanciert auslotete.
Trotz der Polarisierung der Personen durch ihre Zugehörigkeit zu den Freiheitskämpfern auf der einen Seite und den Vertretern des Apartheitsregimes auf der anderen vermeidet Autor Gerold Theobalt platte Schwarz-Weiß-Malereien oder die plakative Einteilung in Gute und Böse. Wie bei seinem Erfolgsstück über Martin Luther King verzichtet er auf ideologische Scheuklappen und konzentriert sich auf die Menschlichkeit. Das wird besonders deutlich an der Figur des Eugene de Kock, dessen Psychologie des Massenmörders eine besondere Wendung bekommt, als er den Widerstandskämpfer zur Rede stellt, der einen Sprengsatz in einer Kirche zündete, wodurch viele Zivilisten ums Leben kamen.
Von Cornelia Merkel - WAZ, 25.01.2009
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Der lange Leidensweg eins Unbeugsamen
"Endlich frei - Die Nelson-Mandela-Story" in Fulda
FULDA. Die ergreifendste und intensivste Szene der eindrucksvollen Aufführung von "Endlich frei - Die Nelson-Mandela-Story" am Donnerstagabend im Fuldaer Schlosstheater gestalteten eine vorzügliche Schauspielerin und die wohl berühmteste und beste Sängerin: Während die unvergleichliche Stimme der göttlichen Maria Callas mit dem Gebet der Norma aus Vicenzo Bellinis gleichnamiger Oper erklang, in dem sie die "keusche Göttin" anfleht, auf Erden jenen Frieden zu verbreiten, den sie auch im Himmel herrschen lasse, schildert Diana M. Müller als Winnie Mandela die Grausamkeiten, die sie im Untersuchungsgefängnis erleiden musste. Die schmelzenden Legato-Bögen der wunderbaren Arie bilden einen faszinierend beklemmenden Kontrast zum Verzweiflungsmonolog einer Frau, aus der die Haft ein Monster machen wird.
Dieses selig-unselige Duett ist emotionaler Gipfelpunkt der Aufführung, den vor allem in zweiten Teil viele packend-beängstigende Passagen begleiten, die Barry L. Goldman gestaltet hat, der Regisseur des Schauspiels von Gerold Theobalt mit der Musik von Wolfgang Schmidtke.
Basis für die dramatischen Momente ist eine meist blutvolle, dichte und zunehmend spannende Inszenierung, die dem Anspruch des Autors gerecht wird, der - ganz im Sinne Schillers - das Theater als moralische Anstalt versteht. Dies gilt auch für Theobalts Politthriller über Martin Luther King und für seine Hommage an Ella Fitzgerald und Billie Holiday. Beide Schauspiele wurden in Fulda bereits zur Diskussion gestellt. Mit sehr positiver Resonanz.
40 Jahre in zwei Stunden
Theobalts geschickt gebautes Mandela-Stück verarbeitet die Biografie des späteren Friedensnobelpreisträgers und die zynisch-brutale Apartheidspolitik in Südafrika und komprimiert in Rückblicken und Überblendungen vier Jahrzehnte auf gut zwei Stunden. Die zeitlose Thematik - Unterdrückung, Widerstand, Hoffnung - wird in dieser komplexen Produktion von Wort, Tanz und Gesang vermittelt. Wobei dem Ausnahme-Percussionisten Bani Silva Prado ein Sonderlob gebührt. Natürlich auch Ron Williams, dem kongenialen Mandela-Darsteller und Sänger. Die Musik pendelt zwischen Klassik, Swing und Songs, deutlich an Spirituals orientiert.
Im Zentrum des Schauspiels steht Nelson Mandela, die Leitfigur für Menschenrechte, und sein Weg vom jungen Anwalt, Polit-Aktivisten und charismatischen Anführer der Anti-Apartheid-Bewegung, über den Strafgefangenen, der 27 Jahre seines Lebens hinter Gittern saß, bis zum ersten schwarzen Präsidenten von Südafrika und weisen Führer. Ron Williams beglaubigt diese Entwicklung in jedem Augenblick und zeigt den Unbeugsamen als leidensfähigen, geduldigen und kraftvollen Mann voll natürlicher Autorität. An seiner Seite verkümmert Winnie Mandela (ausgezeichnet Diana M. Müller) von einer lebensfrohen Enthusiastin zu einer versteinerten Frau. Beeindruckend die Wandlungsfähigkeit von Jörg Reimers, unter anderem als Massenmörder de Kock und als Präsident de Klerk. Ronald Mkwanazi gibt Bischof Tutu scharfes Profil.
Nach der oft beklemmenden Aufführung wird das Ensemble vom begeisterten Publikum mit Ovationen belohnt und gefeiert.
Von Christoph A. Brandner - Fuldaer Zeitung, 21.2.2009
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Gipfeltreffen im Leipziger Hof
Fiktiver Schlagabtausch zwischen den Musikgiganten Bach und Händel als geistreiches Theaterstück
Unterhaching. Obwohl sie beide 1685 - der eine in Eisenach, der andere in Halle - geboren wurden und die größten Komponisten ihrer Zeit waren, sollen sich Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel nie begegnet sein. Doch Autor Paul Barz merzt dieses Versäumnis der Historie aus. In seiner Komödie "Händel und Bach - Eine mögliche Begegnung" treffen sich der Schöpfer des "Messias", der in London zu Reichtum und Ehren kam,. und der bescheiden lebende Leipziger Thomas-Kantor zum Gedankenaustausch.
Anno 1747 im Hotel "Leipziger Hof" findet diese fiktive Zusammenkunft statt, der man am vergangenen .Freitag im Kubiz beiwohnen konnte. In der von Barry L. Goldman inszenierten Produktion der Grünwalder Theatergastspiele Kempf schlüpften Sigmar Solbach (Händel) und Walter Renneisen (Bach) so überzeugend in die Rollen der beiden ungleichen Musik-Giganten, dass man diese Begegnung nur zu gerne für historisch belegt halten würde.
Bevor sie durch ihre Fernseh-Rollen bekannt wurden, haben Sigmar Solbach und Walter Renneisen schon erfolgreich Theater gespielt. Überaus bühnenwirksam gelang den beiden Schauspielern in dieser klugen Inszenierung der mit viel Humor aber auch ernstem Tiefgang angereicherte Schlagabtausch. Als ziemlich eitler und überheblicher Lebemann im weißen Rock aus bestem Tuch betritt Händel die trefflich eingerichtete Salon-Szene (Bühnenbild Claudia Weinhart) mit dem Thron-Sessel. In seinem bereits einmal gewendeten schwarzen Kantoren-Rock muss Bach dagegen als der arme Verwandte "aus der Provinz" erscheinen.
"Musik ist nur ein Geschäft" für Händel, doch für den Thomas-Kantor und Meister der Fuge liegt in der Musik das innere Glück. Welten trennen die beiden großen Männer nicht nur beim für .Bach ungewohnten Austern-Schlürfen. Er verehrt den berühmten Kollegen aus London, dem die Welt zujubelt, während er nur in Sachsen bekannt ist. Doch je näher man sich in den bis zum Duell gesteigerten Dialogen kommt, desto mehr zeigt Händel sein wahres Gesicht. Der arrogante Star reißt sich nicht nur die Perücke, sondern auch die Maske ab. Am Ende gesteht er Bach, dass der das größere "Genie" ist und der einsame, machthungrige Single den armen Musikus mit der Kinderschar in Wahrheit um dessen innere Zufriedenheit beneidet. Als Mittler in dieser Auseinandersetzung fungiert mit herrlich komödiantischem Understatement Christian Janda als Faktotum Händels. Er serviert nicht nur die Speisen und Stichwörter, sondern unter anderem auch den Running Gag mit der laut zugeschlagenen Flügeltür. Bravo-Rufe für ein treffliches Stück mit drei trefflichen Schauspielern.
Von Roswitha Grosse - Süddeutsche Zeitung, 19.01.2009
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Zwei Superstars im Clinch
Stadttheater-Premiere | "Händel und Bach" als kurzweilige Komödie
Kempten. "Musik ist keine Wissenschaft, Musik ist ein Geschäft", lässt Paul Barz in seiner Komödie "Händel und Bach" den großen Georg Friedrich Händel ausrufen. Eine pikante Geschichte, geht es doch um das fiktive Treffen zweier wesensfremder Musik-Genies, die zwar zur gleichen Zeit lebten, sich aber nie begegneten (beide wurden 1685 geboren, Bach starb 1750, Händel 1759). Die Inszenierung der Theatergastspiele Kempf kam bei der Premiere im Stadttheater bestens an, erhielt langanhaltenden Applaus und sogar vereinzelte Bravorufe.
Dies lag nicht nur am Text, sondern auch an den Hauptdarstellern, mit denen diese Konversationskomödie steht und fällt. Und hier hatte Regisseur Barry L. Goldman eine glückliche Hand. Sigmar Solbach, den Fernsehfans vor allem auch als RTL-Serienheld "Dr. Stefan Frank" bekannt, gibt einen perfekten, selbstverliebten "Händel Superstar". Von der Metropole London ins provinzielle Leipzig gereist, um den in die "Societät der musikalischen Wissenschaften" berufenen Johann Sebastian Bach zu treffen, muss Händel erkennen, dass seine im Ausland gefeierten Erfolge, außer dem "Messias" mit dem berühmten "Hallelujah"-Chor, in der Heimat kaum interessieren. Solbach spielt den gekränkten Eitlen nuancenreich und lustvoll-pointiert in Mimik und Gestik.
In Walter Renneisen (bekannt aus Krimis wie dem Tatort) hat er einen Partner, der ihm in nichts nachsteht. Sein Bach ist zu Beginn bescheiden, demütig, unterwürfig. Doch dann bröckelt Händels Ruhm und der Thomaskantor läuft zur Hochform auf. Wie sich die beiden belauern, bekriegen und sogar gegenseitig trösten - das ist amüsant und sehenswert. Am Ende müssen beide erkennen, dass sie Gefangene ihrer jeweiligen Lebenssituation sind.
Ein kurzweiliges, witziges und geistreiches Theatervergnügen, das Lust auf mehr Händel und Bach macht.
Von Michael Dumler - Allgäuer Zeitung, 15.11.08
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